Artikel aus ÖO Nachrichten

Johannes Neuhofer aus Naarn ist Dermatologe, Buchautor, Konsul von Indonesien und Initiator des Johannesweges im Mühlviertel. Andreas Kremsner begleitete ihn ein kleines Stück seines Weges.

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Mehr als 83.000 Patienten hat Johannes Neuhofer in seinem Berufsleben als Hautarzt bisher behandelt, ein Experte also. Sein Beruf ist seine Berufung, sagt er im OÖN-Gespräch. In seiner Praxis habe er sehr bald erkannt, dass eine gute schulmedizinische Ausbildung allein nicht ausreiche: Bachblüten, Homöopathie, Akupunktur, viele alternative Methoden habe er ausprobiert.

Seit einiger Zeit beschäftigt sich der Arzt aus Naarn im Machlande mit Jamu, einer indonesischen Heilkunst, die auf Pflanzen beruht. „Eine traditionelle und naturbezogene Heilmethode, die bei uns erst entdeckt und eingeführt werden muss“, sagt er. Beim Erlernen hilft es Neuhofer, dass er seit Jänner Konsul von Indonesien ist. Dadurch bekomme er leichter Kontakte zu Jamu-Spezialisten und deren umfassendem Erfahrungsschatz.

Johannes Neuhofer sitzt mit seiner Lebenspartnerin Bettina Wasner beim Interview auf einem Balkon des Johanneshofes in Naarn, dem Elternhaus des Arztes; wir teilen uns den Platz mit Hofhund Xylos und einem roten Kater, Letztere liegen gemütlich unterm Tisch. Der Vierkanter aus dem 16. Jahrhundert liegt eingebettet ins Machland, eine halbe Autostunde östlich von Linz, ist wunderschön hergerichtet und wird auch als Veranstaltungsort verwendet. Neuhofer lacht gerne. „Lachen ist die beste Medizin“, sagt er. Dass er dabei Wolfgang Ambros ein bisschen ähnlich sieht, hat er bereits öfters gehört.

„Das Wesentliche ist die Lebensfreude. Die kann so manchen Käse veredeln“, sagt er. Auch wenn es oft stressig hergeht. Man müsse ein Gefühl entwickeln, eine Freude und Genuss, nicht alles pedantisch nehmen. Theoretisch wisse er das, die praktische Umsetzung sei etwas ganz anderes. Auch er gerät oft in den Alltagstrott, nimmt Sachen dann zu ernst. „In der Hexenküche des Westens stehen wir ganz oft in der Ecke, finden den Weg nicht“, sagt Neuhofer. Wie er auf die Idee mit dem Johannesweg gekommen ist, weiß er selber nicht mehr genau. Er ist auf der Suche gewesen, wollte die Wurzeln von Krankheiten ergründen. Oft sind die Ursachen nicht messbar, sind psychisch oder immunologisch. „Besser das Licht aufdrehen als die Dunkelheit zu vertreiben“, sagt er und entwickelte deshalb seine persönlichen zwölf Weisheiten. Es entstand die Idee, daraus ein Buch und einen Pilgerweg zu machen, quasi als praktische Umsetzung.

84 Kilometer wandern

84 Kilometer ist der Wanderweg lang; er verbindet die Gemeinden Pierbach, Schönau im Mühlkreis, St. Leonhard bei Freistadt, Weitersfelden, Kaltenberg, Unterweißenbach und Bad Zell. Der Weg gleicht aus der Vogelperspektive einer Lilie (ein altes Symbol für Licht) und besteht aus zwölf Stationen. An jeder wird ein Thema aufgezeigt: von Humor über Toleranz, Hilfsbereitschaft, Geduld, Mut, bis hin zum „Schlüssel des Alltags“.

„Der Weg soll Menschen bewegen, ihnen ohne erhobenen Zeigefinger den tieferen Sinn des Lebens näherbringen. Sie wieder in Balance setzen und zu sich selber finden lassen“, sagt Neuhofer.

Und der Johannesweg scheint die Menschen wirklich zu bewegen. Am 24. Juni 2012 eröffnet, sind ihn tausende Menschen gegangen. Auch Neuhofer hat bereits vier Mal eine Etappe auf dem Pilgerweg absolviert, zu Ende gehen will er ihn im kommenden Jahr, gemeinsam mit Freunden. Jeder solle sich sein Tempo für den Johannesweg selber suchen. „Gehe den Weg leichtfüßig, froh und ohne Hast, aber mutig und entschlossen“, gibt er den Wanderern mit auf die Reise.

Zur Person

Name: Johannes Neuhofer;
59 Jahre, vier Kinder;
seine Lebenspartnerin ist Bettina Wasner.

Beruf: Dermatologe, Buchautor, Konsul von Indonesien in Oberösterreich, Obmann des Johannesweg-Vereins

Internet: johannesweg.at; muehlviertleralm.at